Dr. Jeff Zeig: Was ist die Zukunft von Psychotherapie, Coaching und Beratung?

 

Es gibt einige Wege sich selbst zum Narren zu halten, aber eine unsichere Zukunft ist einer der einfachsten. Ich habe meinen Master in klinischer Psychologie 1973 gemacht. Die Psychiatrie wurde mir 1969 vorgestellt als ich als psychiatrischer Techniker in einem öffentlichen Krankenhaus gearbeitet habe. Über die Jahre gab es einige tiefgreifende Veränderungen.

 

Ich habe am Ende der humanistischen Ära begonnen. Die Psychoanalyse und psychodynamischen Ansätze waren im Verschwinden begriffen, ich habe die Transaktionsanalyse kommen und gehen sehen. Ich habe lösungsorientierte Therapie kommen und gehen sehen. Ich habe die Familientherapie kommen und gehen sehen. Ich habe den Aufstieg von einer ganzen Buchstabensuppe an Ansätzen gesehen, z.B.: EMDR, EFT und TTT. Die kognitive Revolution war auf ihrem Gipfel. Biologische Psychiatrie war stärker geworden. Affektive Neurobiologie ist jetzt auf dem Vormarsch. Kurz gesagt: Veränderung ist das ausdauerndste Merkmal der Psychotherapie.

 

Die Ausbreitung der Psychotherapie fand in geometrischen Rahmen statt. Zwischen den Zeilen kann man lesen, dass die Techniken heilen. Obwohl es möglicherweise wahr ist das Medizin oder die Technik möglicherweise die Krankheit heilt, gilt dies nicht für eine soziale Intervention. Es ist eher der Fall das Techniken eine Möglichkeit darstellen eine Botschaft zu verstärken.

 

Meine Methoden der Möglichkeiten bewegen sich weit ab vom Mainstream. Ich bin an der “Palette” eines Therapeuten interessiert: Aspekte der Kommunikation, die man zum Verstärken einer Botschaft benutzen kann. Es gibt eine Diskrepanz zwischen dem was Menschen wissen und was sie tatsächlich realisieren und genau deshalb wenden sich Menschen an einen Therapeuten oder Coach. Menschen wissen wie man in Beziehungen freundlich ist; sie wissen wie man gesunde Gewohnheiten etabliert; und sie wissen wie sie ihre Stimmung ändern können. Unser Job ist unseren Klienten Wege zu eröffnen wie sie, das was sie schon wissen, auch realisieren können. Um dabei richtig effektiv zu sein müssen wir unsere eigene “Palette” kennen. Künstler nutzen die ihnen zur Verfügung stehenden Werkzeuge um einfache Ideen zum Leben zu erwecken. Ihre primären Werkzeuge sind eine Leinwand und Farben.

 

Die Palette eines Therapeuten ist wesentlich umfangreicher: Wir haben Gesten, Ausdrücke, Haltungen, Bewegung und Aspekte der Stimme wie Tonhöhe, Tempo Sprachmelodie, Richtung, Lautstärke, Pausen und Verzögerung. Unsere Aufgabe ist es zu lernen unsere “Palette” mit dem größtmöglichen Effekt zu benutzen. Ein weiterer Bereich der Erhebung ist der “Zustand” oder die Herangehensweise des Therapeuten. Interventionen können aus Forschung, Theorie und Praxis entstehen aber die meisten Interventionen sind ein Nebenprodukt des Zustandes den der Therapeut annimmt. “Erfahrungsbezogen sein” ist ein Zustand, den ich die letzten 40 Jahren kultiviert habe. Es ist ein Zustand, den ich von Milton Erickson gelernt habe. Der Therapieraum ist eine Bühne für symbolisches Drama. Der Imperativ eines jeden Dramas ist: “Das Durchleben dieser Erfahrung wird mich verändern”. Ich arbeite um erfahrbare “Realisationen” zu erschaffen, die Stärken fördern und schlafende Ressourcen wecken.

 

Meine Hoffnung ist es, dass in Zukunft alle Therapeuten ihr Medium - die Kommunikation - benutzen um spielerisch Klienten-bezogene Ressourcen zu stimulieren. Es ist meine Hoffnung, dass in der Zukunft Menschen, die dem Wandel verschrieben sind neue konstruktive “Zustände” entwickeln, aus denen effektive Interventionen entstehen. Schließlich ist es meine Hoffnung, dass in der Zukunft eine Konvergenz zwischen den Schulen und Richtungen der Psychotherapie entstehen wird, die effektive Therapeuten fördert, anstatt die Therapie zu einer Reihe von Interventionen zu “vermedizinieren”.

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