Zwölf Grundbegriffe der Mindsight

 

Im Folgenden finden Sie kurze Erklärungen zu einem Dutzend Grundbegriffen und Ideen, die die Basis für das Erlangen von Mindsight, Integration und Wohlbefinden bilden.

1. Das Dreieck des Wohlbefindens beinhaltet drei Aspekte unseres Lebens. Beziehungen, Geist und Gehirn bilden die drei einander gegenseitig beeinflussenden Punkte dieses Dreiecks. Beziehungen lassen erkennen, wie wir Energie und Information mit Mitmen­ schen austauschen, wenn wir Kontakt aufnehmen und miteinan­ der kommunizieren. Gehirn bezieht sich auf den physischen Ap­parat, durch den diese Energie und Information fließen. Geist ist ein Prozess, der den Energie- und Informationsfluss reguliert. Statt unser Leben in drei getrennte Teile aufzuteilen, stellt das Dreieck vielmehr drei Dimensionen eines einzigen Energie- und Informationsflusssystems dar.

2. Mindsight ist ein Prozess, der es uns ermöglicht, den Energie­ und Informationsfluss innerhalb des Dreiecksdes Wohlbefindens zu beobachten und zu verändern. Der Mindsight-Aspekt Selbstbeobachtung bedeutet, dass wir diesen Fluss in uns selbst spüren - ihn im eigenen Nervensystem wahrnehmen, das wir Gehirn nennen und dank Beziehungen auch in Mitmenschen. In Bezie­hungen wird der Energie- und Informationsfluss auf verschiede­ne Kommunikationsarten mit anderen ausgetauscht. Diesen Fluss können wir dank Gewahrsein und Intention, der grundlegenden Aspekte des Geistes, modifizieren oder verändern und da­mit unmittelbar jene Pfade ausformen, welche der Energie- und Informationsfluss in unserem Leben einschlägt.

3. Ein System umfasst einzelne, miteinander interagierende Teile. Im menschlichen System geht es bei diesen Interaktionen meist um den Energie - und Informationsfluss. Energie ist die physische Eigenschaft, die es uns ermöglicht, etwas zu tun. Information ist die Repräsentation (Vorstellung) von etwas außerhalb ihrer selbst. Worte und Gedanken sind Beispiele von Informationsein­heiten, die wir verwenden, um miteinander zu kommunizieren. Beziehung bedeutet die Verbindung zu Mitmenschen in Paaren, Familien, Gruppen, Schulen, Gemeinden und Gesellschaften.

4. Wohlbefinden kann man als das definieren, was sich einstellt, wenn ein System integriert ist. Integration erfordert die Verkettung differenzierter Teile eines Systems. Die Differenzierung der Bestandteile ermöglicht es diesen, sich individuell auszugestalten, spezialisierte Funktionen zu übernehmen und bis zu einem ge­wissen Grad ihre Souveränität zu bewahren. Die Verkettung der Teile erfordert die Funktionsverbindung der differenzierten Be­standteile untereinander. Für eine bessere Integration müssen so­ wohl Differenzierung wie Verkettung gefördert werden. Mind­sight kann dazu eingesetzt werden, Integration im eigenen Leben zielbewusst herbeizuführen.

5. Wenn ein System äußeren Einflüssen offensteht und chaotisch werden kann, nennt man es ein dynamisches, nichtlineares, kom­plexes System. Wird ein solches System integriert, so bewegt es sich in Richtung größter Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Die Eigenschaften des integrierten Flusses eines solchen Systems lassen sich im Akronym FACES zusammenfassen: flexibel, anpassungsfähig, kohärent (engl. coherent), energiegeladen und stabil

6. Der Integrationsstrom bezieht sich auf die Bewegung eines Sys­tems, in welchem der integrierte FACES-Fluss den Kanal in der Mitte bildet und als Qualität Harmonie besitzt. Auf den Seiten des Stromes befinden sich die beiden Ufer Chaos und Starrheit. Man erkennt ein nichtintegriertes, unharmonisches System ohne Wohlbefinden daran,dass es chaotische oder starre Eigenschaften aufweist. Wiederkehrende Wutausbrüche oder Panikattacken,die von Lähmung oder Leere im Leben abgelöst werden, sind Bei­spiele solcher chaotischen oder starren Zustände, die außerhalb des Integrationsstromes liegen.

7. In diesem Modell gibt es acht Integrationsbereiche, die das Wohl­befinden fördern. Sie umfassen das Bewusstsein, die horizontale und die vertikale Integration, die Erinnerung, die Narration (den Lebensbericht), den Zustand, die zwischenmenschliche und die zeit­liche (temporale) Integration. Da der Geist ein an Beziehungen und Verkörperungen gebundener Prozess ist, der  den  Energie­- und Informationsfluss reguliert, können wir den bewussten Fokus unserer Aufmerksamkeit dazu nutzen, diesen Fluss sowohl im Gehirn als auch in Beziehungen in Richtung Integration zu lenken. Werden diese Integrationsbereiche gepflegt, so macht sich allmählich ein neunter Bereich, die transpirationale (durchatmende) Inte­gration, bemerkbar, bei welcher das Gefühl entsteht, Teil eines viel größeren, mit allem verbundenen Ganzen zu sein.

8. Integration in Beziehungen erfordert eine aufeinander einge­stimmte Kommunikation zwischen Menschen, die um ihrer Un­terschiede willen geschätzt werden und sich miteinander verbinden, um ein »Wir« zu bilden. Integration im Gehirn ich benutze den Begriff als Bezeichnung für das ausgedehnte Nervensystem, das sich im ganzen Körperverzweigt beinhaltet die Verkettung separater,differenzierter neuronaler Bereiche und deren speziali­sierter Funktionen. Der Brennpunkt der Aufmerksamkeit lenkt den Energie- und Informationsfluss durch bestimmte Neuralschaltkreise. Man kann also sagen, dass der Geist das Gehirn dazu nutzt, sich selbst zu erzeugen. Aufmerksamkeit aktiviert bestimm­te neuronale Pfade und legt die Grundlagen zur Veränderung der Verbindungen zwischen feuernden Neuronen mittels des wesent­lichen Vorgangs der sogenannten Neuroplastizität. Die Funktion des Geistes - Regulierung des Energie-  und Informationsflusses kann tatsächlich die Struktur des eigentlichen Gehirns verän­dern. Mindsight ermöglicht neuronale Integration.

9. Ein Beispiel für neuronale Integration liefern die Funktionen eines hochgradig integrierenden Hirnbereichs, des mittleren Prä ­frontalkortex. Die integrierenden mittleren präfrontalen Nervenfasern - die zu bestimmten Teilen des präfrontalen Bereichs hin­ter der Stirn gehören (einschließlich des anterioren cingulären Kortex, der orbifrontalen, medialen und ventrolateralen Präfrontalregionen) - verbinden den gesamten Kortex, das limbische System, den Hirnstamm, den Körper selbst und sogar soziale Sys­teme miteinander. Zu den neun Funktionen des mittleren Präfron­talkortex, die aus dieser multidimensionalen neuronalen Integra­tion hervorgehen, gehören: 1. Körperregulierung, 2. aufeinander eingestimmte Kommunikation, 3. emotionale Ausgeglichenheit, 4. Reaktionsflexibilität, 5. Angstmodulation, 6. Empathie, 7. Ein­sicht, 8. Moral und 9. Intuition. Diese Funktionen würde man auf einer Liste zur Beschreibung des Wohlbefindens ziemlich weit oben ansiedeln. Sie entsprechen zudem dem Prozess und be­kannten Ergebnis der reflexiven Fähigkeit zur Innenschau. Die ersten acht Eigenschaften auf dieser Liste sind außerdem bewähr­te Ergebnisse sicherer, liebevoller Eltern-Kind-Beziehungen. Die­se Aufstellung ist ein Beispiel dafür, wie Integration das Wohlbe­finden fördert.

10. Mindsight geht nicht nur vom mittleren Präfrontalkortex aus. Die reflektierende Übung, die innere Aufmerksamkeit auf den Geist zu richten, und zwar mit Offenheit, Selbstbeobachtung und Objektivität den wesentlichen Fähigkeiten eines »scharfen« Mindsight-Auges -, fördert wahrscheinlich das Wachstum der in­tegrierenden Nervenfasern des mittleren Präfrontalkortex. Wir verwenden das Akronym SNAG (stimulate neuronal activation and growth) für das Stimulieren neuronalen Aktivierens und Wachstums. Dies ist die Grundlage der Neuroplastizität, des Vorgangs, durch den Erfahrungen einschließlich der konzentrier­ten Aufmerksamkeit die Hirnstruktur verändern. Mindsight »snaggt« (stimuliert) das Gehirn in Richtung Integration, was es ermöglicht, zielgerichtet Verkettungen und Differenzierung innerhalb der verschiedenen Integrationsbereiche zufördern.

11. Ein Toleranzfenster bezieht sich auf die Bandbreite erträgli­cher Erregungsniveaus, innerhalb derer wir einen integrierten FACES-Fluss erlangen, in diesem verweilen und in Harmonie le­ben können. Erweiterte Fenster ermöglichen mehr Spannkraft und Elastizität (Resilienz) im Leben. Wird ein Fenster jedoch en­ger, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Energie- und Informa­tionsfluss seine Ufer überschwemmt und das Leben chaotisch oder starr wird. Integrierte Zustände innerhalb des Toleranzfens ­ters werden subjektiv so erlebt, als fließe man mit einem Gefühl der Leichtigkeit in einem harmonischen FACES-Fluss den Integ­rationsstrom entlang. Während wir den Geist prüfen und nach Empfindungen, Bildern, Gefühlen und Gedanken durchsuchen, die unsere Innenwelt beherrschen, können wir den Energie- und Informationsfluss jeden Augenblick innerhalb unseres Toleranz­ fensters beobachten und unseren inneren Zustand so verändern, dass er integriert wird und im FACES-Fluss bleibt. Und schließ­ lich können wir diese Beobachtung und Veränderung dazu nutzen, nicht nur den augenblicklichen Zustand, sondern auch lang­fristige Wesenszüge zu verändern. Dabei zeigt sich, wie unsere Fenster für verschiedene Gefühle oder Situationen durch Verän­derung der dynamischen regulierenden Schaltkreise im Gehirn erweitert werden können.

12. Das Rad des Bewusstseins ist eine visuelle Metapher für den Geist. Wir können in der offenen, empfänglichen Nabe des Rades bleiben und alle mentalen Aktivitäten aufnehmen, die vom Rand des Rades (der Felge) ausgehen, ohne uns von ihnen mitreißen zu lassen. Eine gestärkte Nabe erlaubt es uns, die Toleranzfenster zu erweitern, indem wir besser beobachten, objektiver und offener werden und damit mehr Elastizität und Spannkraft im Leben ge­winnen. Mindsight nutzt diese wichtige Fähigkeit dazu, aufge­schlossen zu bleiben und die Innenwelt klarer und tiefer zu beob­achten. Dann sind wir in der Lage, unsere Innenwelt und zwischenmenschlichen Beziehungen zu verändern, indem wir In­tegration pflegen und mehr Mitgefühl, Wohlbefinden und Ge­sundheit im Lebenerlangen.

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